Eigentlich müsste ich sagen, eine wichtige „Burgauer Institution“, Persönlichkeit, Historikerin und großartige Pädagogin hat uns leider im Alter von 95 Jahren am 27. Juli 2023 für immer verlassen.
Viele von Ihnen, davon bin ich überzeugt, hat Frau Haltmayer mindestens ein, zwei oder gar mehrere Jahre als Lehrkraft in ihrer Schulzeit begleitet.
Frau Haltmayer wurde am 30. Oktober 1927 in Haldenwang als fünftes Kind der Landwirtsleute Viktoria und Anton Haltmayer geboren. Sie hatte acht Geschwister, sechs Brüder und zwei Schwestern, mit denen sie auf dem elterlichen landwirtschaftlichen Anwesen aufwuchs.
Luise Haltmayer hat in ihrer Familienchronik „Die Haltmayer“ ihren Werdegang selbst wunderbar aufgezeichnet, um so leichter fällt es, den Teil ihres Lebens darzustellen, der sich in der Kindheit und Jugend abspielte.
Sie besuchte acht Jahre lang die Volksschule in Haldenwang, davon waren dreieinhalb Jahre „Kriegsschule“, was bedeutete: es gab nur eine Lehrerin für Ober- und Unterklasse. Anschließend leistete sie dann zu Hause das vorgeschriebene Pflichtjahr ab und trat dann an Ostern 1943 in die Lehrerinnenbildungsanstalt in Weißenhorn ein. Der Zusammenbruch nach dem 2. Weltkrieg beendete zunächst diese Ausbildung, bis sie dann im Frühjahr 1946 in der klösterlichen Schule Wettenhausen das Studium zur Volksschullehrerin forstsetzen und an Ostern 1949 mit der ersten Lehramtsprüfung abschließen konnte.
Als Lehramtsanwärterin übernahm Sie nach kurzer Praktikumszeit an der Haldenwanger Dorfschule bei dem hervorragenden Pädagogen und Musiker Ulrich Bruggner, Aushilfen in Autenried, Burgau und an der Sonderschule Dürrlauingen.
Ab 1950 unterrichtete Sie bis zu Ihrer Pensionierung im Jahr 1990 durchweg in Burgau: zunächst in verschiedenen Klassen der Volksschule, nach der Schulreform 1969 dann als Rektorin an der Grundschule.
Frau Haltmayer kannte in Ihrer Tätigkeit als Lehrerin die verschiedenen Burgauer Schullokalitäten, wie die Mädchenschule und das Burgauer Schloss.
Die Schulraumnot war in diesen Jahren ein sehr großes Problem, denn Burgau war durch die Heimatvertriebenen enorm gewachsen.
Die erste Linderung der beengten Verhältnisse in den Klassen brachte dann 1954/56  der Neubau der Volksschule, das heutige Gebäude der Mittelschule. Endlich gab  es auch eine Turnhalle.
Diese Erleichterung sollte aber nur 13 Jahre anhalten, denn durch die Schulreform, bedingt durch die Auflösung der Dorfschulen im Burgauer Hinterland, kam eine zusätzliche Schülerzahl auf Burgau zu.
Das Schulhaus war wieder zu klein und Luise Haltmayer kämpfte nun 10 Jahre darum, dass dieses Problem gelöst werden konnte.
Mit der Fertigstellung 1980 des Baus der Grundschule und einer zusätzlichen Dreifachturnhalle
an der Remsharterstraße lagen nun Jahre eines geordneten pädagogisch fruchtbaren Arbeitens vor Ihr, wie Sie es in Ihrer Familienchronik selbst schreibt.
Luise Haltmayer kämpfte nicht nur für die neue Grundschule, sondern gestaltete Sie mit und versuchte so viele architektonische „Sünden“ wie möglich zu vermeiden. Sie war dann auch die erste Rektorin in der, von der Bevölkerung liebevoll genannten „Grashüpfer-Schule“.
Frau Haltmayer gestaltete 25 Jahre den Burgauer Fasching mit. Sie war sehr, sehr lange Mitglied im Faschingszugkomitee und was leider in Vergessenheit geriet, die Schöpferin der „Burgamer Fasnachtsfahna“. Diese Fahnen mit den Symbolen der Fasnacht versehenen, nähte Sie für zwei Ortsein- und ausgänge. Die Fahnen hatten die originale Größe einer Fahne und wurden bestimmt    sechs bis sieben Jahre ab dem „Gumpigem Donnerstag“ aufgehängt. Leider wurden sie von Wind und Wetter so verschlissen, dass man sie entsorgen musste.
Luise Haltmayers Tätigkeiten, ganz speziell in der Burgauer Fasnacht, umfasst einen ganzen Katalog an Aktivitäten und Taten. Zum Beispiel gestaltete Sie mit den Kindern der Grundschule kleine Trommeln, mit denen die Kinder jahrelang den Trommler-Albert an der Spitze des Faschingsumzuges begleiteten.
Sie war die Schöpferin und Näherin des ersten Baretts des neuen Markgrafenkostüms der wieder erwachten Burgavia im Jahre 1981.
Und, Sie war im Gremium das den Trommlerorden aus der Taufe hob und verfasste ganz alleine  die sogenannte Trommlerordensproklamation.
Zudem erhielt Frau Haltmayer für alle Ihre umfangreichen Ideen und Aktivitäten 1983 den Trommlerorden. Zudem die Bürgermedaille der Stadt Burgau.

 
Luise Haltmayer 1983 mit Alfred Seidler und Vogele Albert jun.
Trommlerball 1983

1990 wurde Luise Haltmayer aus dem Schuldienst verabschiedet und von nun an legte Sie in jeder Hinsicht Ihr Augenmerk auf Ihre Heimatgemeinde Haldenwang.
Dort engagierte Sie sich in der Pfarrei, gestaltete 30 Jahre lang die aufwendigen „Körnerbilder“ zum Erntedankfest. 2002 veröffentlichte Sie dann  das Heimatbuch „Haldenwang“ und zusammen mit Dr. Thomas Schieche  2015 ein Buch über die “Kreuze, Bildstöcke und kleine Kapellen in und um Haldenwang“.
Fast bis zu Ihrem Ableben erarbeitete Sie die Vorlagen für die Gestaltung des Maibaums des Burschenvereins Haldenwang.
Frau Haltmayer unterrichtete Generationen von Kindern und dann auch noch deren Kinder in Burgau.
Heuer auf dem Festabend des Pfingsttreffens wurden noch Ihre Gedanken und Ihre Erinnerungen an Ihre aktive Schulzeit als Pädagogin verlesen, da Sie leider an dem Treffen aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr teilnehmen konnte.
Erwähnenswert ist auch, dass Frau Haltmayer alle handwerklichen Leistungen beherrschte und sie lange Zeit auch selber ausführte, wie  nähen, entwerfen, färben, sägen, schreinern, malen, mauern, verputzen und vieles mehr. Hier sage ich nur Chapeau vor so einer Frau!
Meiner ganz persönlichen Meinung nach versuchte Sie gerecht zu sein, die Kinder so zu nehmen wie Gott sie schuf und ihnen immer auch zu helfen ihren Weg zu finden.

Burgau sollte Ihr ein Denkmal setzen, deshalb macht der Historische Verein Burgau Stadt und Land e. V. den Vorschlag, die „Grashüpferschule“ in „Luise-Haltmayer-Grundschule“ zu taufen. Burgau hat mit der Vergabe von Namen für öffentliche Gebäude immer so seine Probleme, vielleicht könnten hier einmal alle über ihren Schatten springen.


Wir danken Luise Haltmayer für Ihr Wirken und Ihr großartiges öffentliches Engagement und werden Sie nicht vergessen!



 
DANKE !!!


Bilder: Historischer Verein Burgau Stadt und Land e.V., Familie Irene Brendle,
Text: Irmgard Gruber-Egle,  Buch: Luise Haltmayer, Haldenwang 2017 „Die Haltmayer“

                                    Irmgard Gruber-Egle
                                    Historischer Verein
                                    Burgau Stadt und Land e. V.
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