Es beginnt die neue Ära für die Burgamer Fasnacht, ohne Burgavia und die  Gründung eines Faschingskomitees


Sie erinnern sich, wir waren letztes Jahr im 1969/1970 stehen geblieben.

Im darauf folgenden Jahr, 1970, probierte man es noch einmal mit einem sogenannten "Westernstadt Markt", bei dem sich alles am Kirchplatz abspielte. Die Organisatoren waren versprengte Burgavianer.
Ab 1971 übernahm dann provisorisch Josef Ehmann das Amt des Präsidenten und behielt es auch bis zur "Wiedererweckung" der Faschingsgesellschaft. Der Verein wurde absichtlich nicht liquidiert und das Vereinsvermögen verwaltete akribisch ebenfalls bis 1981 Helmut Fischer. Es gibt aus dieser "Dornröschenzeit" des Vereins auch Sitzungsprotokolle, man traf sich unregelmäßig, aber der Verein wurde in der Fasenacht nicht mehr tätig.
Allerdings gibt es keine Regel ohne Ausnahme: Beim Umzug 1975 zeichnete die Burgavia noch einmal als Verantwortliche, als im sprichwörtlichen Sinn, der Umzug durch Burgau rollte mit dem Motto “.... und alles rollt auf Burgau zu ".

Aber wir haben eine kleine Zeitspanne vorweg genommen. Ab 1970 gab es in Burgau keine Umzüge mehr, keine organisierten Fasnachtsaktionen, außer die der Vereine.
Deshalb entschloss sich der damalige Bürgermeister Alfred Seidler diesen Zustand zu ändern und nahm mit allen Burgauer Vereinen Kontakt auf. Er lud sie zu einer "Vollversammlung" ein, und es wurde das heute noch existierende Faschingszugkomitee gegründet.
Die Gründung erfolgte am 13. Februar 1975. Von diesem Zeitpunkt ab, war dieses Komitee für die Durchführung der Faschingsumzüge in Burgau verantwortlich. Heute trifft der Stadtrat auch so manche Entscheidung bezüglich der Fasenacht  als Gesamtgremium. Das Faschingskomitee agiert bis heute und unterstützt die Stadt Burgau bei der Durchführung der Fasnachtsumzüge immer noch.

Im Jahr 1975 war das Komitee aber noch nicht für die Durchführung des Umzugs verantwortlich.

Das Faschingszugkomitee setzte sich bei der Gründung aus Mitgliedern der Burgauer Vereine und aus Stadträten, die im Kulturausschuss waren, zusammen, der Vorsitzende war Bürgermeister Alfred Seidler.
Dieser Besetzungsmodus des Komitees hat sich in den letzten Jahren geändert.
Das Interesse der Vereine ließ an der Mitwirkung nach und so wurden Interessierte und Fasnachtsbegeisterte auch Komiteemitglieder.

Die "Wiedererweckung" oder Wiederbelebung der Faschingsgesellschaft Burgavia 1981

Irmgard Gruber-Hämmerle und Reinhold Kaifer waren von der Idee besessen, die Burgavia aus ihrem Dornröschenschlaf zu holen. So führten beide ab Fasching 1980 viele und stundenlange Gespräche mit Interessierten und ehemaligen Burgavia Verantwortlichen. Diese, wie Josef Ehmann Helmut Fischer, Gerhard Dalm wie auch Hermann Riederele standen der Wiederbelebung sehr skeptisch gegenüber. Aber durch nimmermüdes Überzeugen von Irmgard Gruber-Hämmerle und Reinhold Kaifer konnten die Skeptiker überzeugt und neue Aktive für die Wiederbelebung der Burgavia gewonnen werden.
Im April 1981 war es dann so weit: Beim damaligen "Lammwirt" wurde durch eine neu gewählte Vorstandschaft, auch mit den Stimmen der Altvorderen, der Faschingsgesellschaft Burgavia wieder neuer "Odem" eingehaucht.

Die Vorstandschaft setzte sich wie folgt zusammen:


Präsident:                  Reinhold Kaifer
Vize-Präsidenten:        Irmgard Gruber-Hämmerle *
                               Berthold Groß
Schatzmeisterin:         Anneliese Sedlbauer
Schriftführerin:           Ursula Wörner
Beisitzer:                   Judith Hornung
                               Artur Hämmerle
                               Peter Höfner
                               Günter Löchle
                               Wendelin Offenwanger
                               Albert Vogele sen.
                               Richard Weber

Von der Faschingssaison 1981/1982 an kürt die Burgavia bis heute am 11.11. (oder einem passenden Termin) ein neues Markgrafenpaar. Man beschloss, aufgrund der großen Historie der Markgrafenstadt Burgau, ab sofort kein herkömmliches Prinzenpaar mehr zu inthronisieren, sondern ein Markgrafenpaar.

Der Trommlerorden

In der Zeit der Entstehung des Faschingszugkomitees und des "Dornröschenschlafes" der Burgavia entstand im Komitee und bereits mit den begeisterten Irmgard Gruber-Hämmerle und Reinhold Kaifer die Idee, einen besonderen Orden für Burgau zu kreieren. Max Seybold, Alfred Seidler, Irmgard Gruber-Hämmerle, Luise Haltmayer und Reinhold Kaifer entschieden sich für einen Entwurf von Maximilian Seybold, genannt Max. Dieser Entwurf zeigte die "Trommlerfigur" mit Spitzhaube, der historischen Polizeiuniform und der Trommel.

Das ganze Faschingszugkomitee war so begeistert, dass man im Herbst 1979 beschloss, den Orden am Gumpiga Doschtig 1980 das erste Mal zu verleihen. Die Wahl, wer den Orden erhalten sollte, war auch nicht schwer. Einstimmig wurde der damalige erste Bürgermeister der Stadt Burgau, Alfred Seidler, für die erste Ordensverleihung des neuen Ordens gekürt. Der neue Orden hieß nun: TROMMLERORDEN.

 
Der heiß begehrte Trommlerorden




Die erste Trommlerordensverleihung fand noch in einem kleinen Rahmen im Sitzungssaal des Rathauses statt. 


Der erste Trommlerordensträger Alfred Seidler neben ihm der Trommler-Albert jun.  und Ursula Wörner und Hannelore Nickmann

Die von den sogenannten Ordensstiftern verfasste Ordensproklamation sah vor, dass der Orden an eine vom Faschingszugkomitee jährlich neu zu bestimmende Person vergeben wird. Ordensträger sollten Personen sein, die sich um das kulturelle Erbe, das Brauchtum und den Erhalt des Humors in Burgau verdient gemacht haben.
Um dieser Verleihung einen entsprechenden Rahmen zu geben, wurde im Komitee die Idee geboren, am Gumpiga Doschtig in der "Alten Turnhalle", der heutigen Kapuziner-Halle, im Rahmen eines Trommlerballes die Ordensverleihung vorzunehmen.

Trommlerball 1983 mit Luise Haltmayer (Ordensträgerin), Alfred Seidler und Albert Vogele jun.

Da die Wiederbelebung der Burgavia in der Faschingssaison 1981 noch nicht vollzogen war, wurde an diesem 26. Februar 1981 kurzer Hand die Turnhalle vom Komitee angemietet und die Handschuhmacher-Kapelle, sowie das "Wendelin Trio" engagiert.
Durch den Ball führen sollte Luise Haltmayer. Diese gab die Moderation an Irmgard Gruber-Hämmerle weiter. Frau Gruber-Hämmerle konzipierte den Ball 1981. Der Trommlerball wird mit geringfügigen Änderungen bis zum heutigen Tag so abgehalten. Ein wichtiger Bestandteil dieses Balles ist die viele Jahre mit großem Interesse der Bevölkerung stattfindende Trommlerordensverleihung an einen neuen Ordensträger.


Trommlerordensträger  1993 Berthold Groß, lange Jahre Präsident und Vize-Präsident der Burgavia

Die Conférence am Trommlerball machte von Anfang an, bis zu ihrem Ausscheiden 1995, legendär Irmgard Gruber-Hämmerle.
Im Jahr 1981 wollte man bereits ein Markgrafenpaar, aber es war mit der Burgavia noch nicht so weit. Da wurde vom Komitee für genau 125 Stunden und 11 Minuten ein Paar inthronisiert, nämlich "Reinhold der schöne Mindeltaler" (Reinhold Kaifer) und "Ursula die Bezaubernde" (Ursula Wörner).

Mit unsre alde Fasnachtssprüchla verabschieden wir uns wieder bis zur Fasnacht 2024, wos wieder hoißt:

Luschtig isch dia Fasenacht,
wenn mei Muadr Kiechla bacht,
wenn se aber koine bacht,
dann pfeif i auf dia Fasenacht.

Dr Leimer ond sei Frau,
dia lebat ganz genau,
ond wenn se nix mehr haba,
dann fressat se Kohlraba,
Kohlrabaschnitz, Kohlrabaschnitz,
bis dr Dreck beim Loch nausspritzt.

Er ond Sie,
Sie ond Er,
Er hat Leis ,
ond Sie hat Fleh.

HIO, HIO, HIO Burga zua!!!!!!!!!!!



Quellen:
Norbert Kastner, Norbert Schuster sen. und jun., Archiv der Stadt Burgau
Archiv des Hist. Vereins Burgau Stadt und Land e.V.
Bilder:
Archiv Hist. Verein Burgau Stadt und Land e.V.

* Heißt heute Irmgard Gruber-Egle

 

Irmgard Gruber-Egle Historischer Verein Burgau Stadt und Land e. V.
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