von Josef Bogner München,
ergänzt und aktualisiert von Fridolin Merz, Burgau

Der folgende Beitrag basiert auf einem Aufsatz von Josef Bogner, München, der 1984 in der Zeitschrift „Archiv für Postgeschichte in Bayern“, Heft 2, Seite 264 bis 276 erschienen ist. Der Nachdruck von Teilen des Aufsatzes erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Redaktion DAS ARCHIV – Magazin für Kommunikationsgeschichte in Frankfurt/Main.

Sie erinnern sich, wir beleuchteten in unserem Beitrag im August 2022 die Lokale der Postexpedition Burgau–Stadt. Die Geschichte der Post in Burgau gliedert sich aber noch in viele weitere spannende Details.

Postlokal am Bahnhof Burgau

Zu Burgau war 1853 eine Eisenbahn-Expedition errichtet worden. Der Bahnexpeditor besorgte die Annahme und Übergabe der Postsendungen für Burgau-Stadt mit. 1869 bildeten Bahn- und Postlokale im Stationsgebäude eine Einheit, bis 1886 die Trennung von Bahn und Post stattfand. Am Bahnhof Burgau arbeitete nun bis 1936 eine Zweigstelle des Postamtes Burgau I (Stadt).

 
Bahnhof Burgau

 
Der Bahnwirt, Fam. Ziegler


Postkurse

Die reitende Post führte um 1726 von Augsburg nach Günzburg über Glöttweng –Roßhaupten – Röfingen nach Burgau. Die Route Brüssel – Wien erreichte u.a. Zusmarshausen – Burgau in einer Entfernung von einundeinhalb Poststunden, das sind zweieinhalb Wegstunden.

Anno 1798 wünschte Graf Anselm Maria von Fugger-Babenhausen zusammen mit der Markgrafschaft Burgau eine direkte Postverbindung von Babenhausen über Krumbach nach Augsburg und 1838 sah sich die Regierung von Schwaben-Neuburg zu einem gleichen Gesuch an das OPA veranlasst. Wegen der schlechten Straßenverhältnisse und der geringen Straßenbreiten wurde dem Wunsch aber nicht entsprochen.

Im Jahr 1812 verbanden bereits 23 regelmäßige Postkurse die wichtigsten Verkehrspunkte zwischen den größeren bayerischen Städten, u.a. auch der ältere Kurs Augsburg – Ulm über Zusmarshausen – Burgau – Günzburg mit Anschluß nach Stuttgart und Heidenheim. 1816 weist ein Postrouten-Verzeichnis der reitenden und fahrenden Post die Linie   Augsburg – Burgau nach: Täglich ab Augsburg fünf Uhr morgens, Mittwoch ab 12 Uhr Mittag, Samstag ab drei Uhr Nachmittag. Ab Burgau: Montag ab acht Uhr morgens, Dienstag ab 12 Uhr mittags, Freitag ab zehn Uhr nachts.

Hinsichtlich der Einrichtung neuer Poststationen erinnerte die kgl. Regierung 1817 im Regierungsblatt: „Die wohltätige Absicht, im Königreich einfache Poststationen zu errichten, kann nur nach und nach erreicht werden.“ In den verflossenen Jahren wurde zwischen Zusmarshausen und Günzburg eine Relaisstation in Burgau etabliert. Im Jahre 1828 funktionierte eine Eilwagen-Verbindung der Post von Augsburg Richtung Ulm – Günzburg – Zusmarshausen und 1843 verkehrte täglich zwischen Augsburg und Ulm ein Doppelwagen. Als das Eisenbahnnetz dichter wurde, verbanden die Betriebseinrichtungen der Post die Eisenbahnstationen miteinander, z. B. 1853 durch Errichtung der Poststellen Burgau und Dinkelscherben an der Strecke Augsburg -  Ulm während der Bauzeit.

Die hauptsächlichsten Postomnibusfahrten vor und nach 1914 betrafen die Kursfahrten zwischen Burgau I (Stadt) und Burgau II (Bahnhof) mit einer Entfernung von 1,8 km; sie bildeten ja den Grund für die Einrichtung eines Poststalles in Burgau. Diese Omnibusse standen täglich je nach Anforderung im Einsatz; die Fahrten wurden 1906 bis Winterbach ausgedehnt und ab 1905 als Cariolpostfahrten ausgeführt.


Postillione

Seit 1893 war der Gasthof „Zur Post“ in Burgau im Besitz von Ulrich Frey. Die Notizen über die Burgauer Postillione fangen erst 1902 an und sind trotzdem nicht vollständig. Zur Ausstattung des Burgauer Poststalles gehörte ein viersitziger Postomnibus, ein Landauer Zweispänner und ein größerer Postschlitten. Daneben gab es noch einen Privatbus. Von den drei Pferden dienten zwei der Post.


Der Postbus um 1920


Die Reihe der Postillione eröffnete mit dem 1. November 1902 der 1879 geborene Postillion Johann Bihler, am 1. März 1907 kam der 1884 geborene Nikolaus Wagner - „des Reitens und Fahrens kundig“, „kann das vorgeschriebene Signal blasen“. Generell durften zur Führung eines Omnibusses nur mannbare, des Fahrens wohl kundige und insbesonders nüchterne Postillione verwendet werden, die in der „vorgeschriebenen Montur mit übergehängtem Posthorn“ zu fahren hatten. Postillion Anton Wagner trat am 1. Oktober 1910 in den Fahrdienst; er war am 27. Juni 1886 geboren und diente ab 1914 als Feldpostillion. Am 1. August 1914 wurde er durch Konrad Lutzenberger, geb. 1862, ersetzt. Während des Ersten Weltkrieges machten verschiedene Hilfspostillione Dienst in Burgau, von denen die Namen Anselm Strobel und Abold noch erinnerlich blieben.

 
Postamt in Burgau mit Matthias Bihler

Im Jahre 1929 fuhr Otto Frey als Burgaus letzter Postillion durch die vertrauten Straßen. Otto Frey genoß den Ruf absoluter Pünktlichkeit. Seine weißblaue Uniform dient im Heimatmuseum nun als Erinnerung an ein Stück Alt-Burgau.

1910 äußerte ein Burgauer Postillion über die Unterhaltungskosten des Poststalles Burgau, daß für die Fahrten vom Bahnhof in die Stadt ständig ein Pferd benötigt wurde. Bei Überlastung mußte das zweite Pferd herangezogen werden, wie auch das Postpferd in der Erntezeit täglich für 3-4 Stunden privat eingespannt wurde. Das Postpferd brauchte täglich zehn Pfund Hafer, ca. 25 Pfund Heu und Häcksel und dazu noch zehn Pfund Lagerstroh. Ein Zentner Hafer kostete in der Gegend 18 Mark, Heu sechs Mark und Stroh drei Mark.

Der Postillion beschäftigte sich ausschließlich mit den Bahnhoffahrten, genoß monatlich einen freien Tag und verdiente monatlich 30 M Fahrlohn. Der Posthalter zahlte für seinen Postillion außerdem an Invaliden-Versicherung wöchentlich 32 Pfennig, an Krankenversicherung 60 Pfennig. Für die Verköstigung fielen an:

  • Für Frühstück mit zwei Semmeln
    15 Pfennig
  • Für Fleisch, Suppe und Beilage zu Mittag
    70 Pfennig
  • Für Wurst, Kraut oder Kartoffel und Kaffee am Abend
    45 Pfennig
  • Für einen halben Liter Bier, Brot, Wurst oder Käse am Vormittag und desgleichen am Nachmittag zusammen
    70 Pfennig / 2,00 Mark


Von Boten, Bestellbezirken und Postboten

In den Burgauer Stadtrechnungen aus dem 17. Jahrhundert kommen einige reitende Boten vor, die Briefe, Privat- und Postgelder als Ordinari- und Stafettenreiter überbrachten und je nach Entfernung und Art der Sendung zwischen sechs Kreuzer und einem Gulden 28 Kreuzer Entlohnung erhielten.

Vor 1806 gehörten die Postorte Oberschwabens zum vorderösterreichischen Postwesen. Nach dessen Verpachtung an die damalige kaiserliche Reichspost unterstanden die Ortschaften dem kaiserlichen Oberpostamt Augsburg. – Ein Burgauer fahrender Bote z.B. kam Freitag nachmittags in Augsburg an und logierte im Blockhausturm.

Die 1860 eingerichteten Landzustellbezirke wechselten je nach Bedürfnis, d.h. sie wurden häufig geändert. Postbestellorte waren: Ober- und Unterknöringen, Groß- und Kleinanhausen, Limbach, Hammerstetten, Waldkirch, Rechbergreuthen, Eichenhofen, Goldbach, Hartberg, Kemnat, Klingenburg, Schönenberg, Deubach, Weiler, Unterrohr, Glöttweng, Haldenwang, Konzenberg, Landensberg, Röfingen, Roßhaupten, Hafenhofen, Eisingerhof, Delkenmühle, Unterwaldbach, Hagenried, Mehrenstetten, Mönstetten, Dürrlauingen, Baumgarten und Windhausen. Von 1855 bis 1861 bestanden Botenverbindungen mit den eben genannten Ortschaften, ferner noch mit Wettenhausen, Kleinbeuren, Ettenbeuren, Egenhofen, Reifertsweiler, Ebersbach.

Bevor im Jahre 1860 das Postbotenwesen eingeführt wurde, besorgten fahrende Landboten von Burgau aus die Briefschaften

a) In den Fugger’schen Orten Baumgarten, Dürrlauingen, Hafenhofen, Heudorf, Glöttweng,   Konzenberg, Weisingen und Limbach

b) in den vorderösterreichischen Orten Leinheim, Röfingen, Landensberg, Scheppach, Mindelaltheim, Anhofen, Burtenbach, Rieden, Roßhaupten, Baiershofen, Jettingen

c) von Zusmarshausen her in Knöringen, Landensberg, Scheppach durch Postillione und in Burtenbach, Jettingen und Röfingen durch Marktleute.

Der Poststempel (Mühlradstempel, 1. Verteilung) Burgau trug 1850 die Nr. 38 und 1856  (2. Verteilung) die Nr. 62.

Im Jahre 1870 wurde der bisherige Postbotengang in zwei Teile getrennt, nämlich in

Kurs I:
Ebersbach, Deubach, Rohr, Weiler, Egenhofen, Ettenbeuren, Wettenhausen, Goldbach, Kleinbeuren, Hammerstetten und

Kurs II:
Ober- und Unterknöringen, Groß- und Kleinanhausen, Limbach. Außerdem fand früh und mittags eine Lokalzustellung in Burgau statt.

Zu jener Zeit bedeuteten diese Zustellgänge auf schlechten Wegen, bei Hitze und Frost, Regen und Schnee, hügelauf und-ab eine strapaziöse, große Gehleistung. 1906 ging der Postbote vormittags nach Ober- und Unterknöringen, Groß- und Kleinanhausen, Limbach, Hammerstetten, Burgau-Stadt = 14,1 km. – Nachmittags Burgau-Stadt, Ober- und Unterknöringen = 5 km, das sind zusammen 19,1 km.

Eine gedruckte Anweisung von 1909 gibt Aufschluß über die Ortschaften, die der Postbote zu begehen hatte:

Landgang I:   
Ab Burgau II (Bhf.) nach Haldenwang, Konzenberg, Mehrenstetten, Hafenhofen, Freybergerhof, Haldenwang, Burgau = 16,6 km.

Landgang II:   
Ab Burgau (Bhf.) nach Röfingen, Unterwaldbach, Roßhaupten, Glöttweng, Landensberg und zurück nach Burgau = 18 km.





Für die Zeit von 1861 – 1923 beinhalten die postalischen Aufzeichnungen des Postamts Burgau die Namen der Postboten Fichtel, Becherer, Michael Anhofer, Mathias Bihler, Josef Wiedemann, Karl Kalchschmied, Friedrich Söll, Max Herzog und Johann Feierlein. 1943 feierte Posthauptschaffner Josef Schwarz in Burgau sein 25jähriges Dienstjubiläum. Später sind noch die Namen August Wappler und Ottmar Schäffler hinzuzufügen. – In der Stadt Burgau machten 1900 vorerst zwei Postboten Dienst, im Landbezirk einer. Der Monatslohn eines Postboten betrug damals 110 M. Neun Jahre später stellten in Burgau täglich vier Postboten zu. In den Landbezirk wurden die Orte Ober- und Unterknöringen, Groß- und Kleinanhausen, Limbach, Hammerstetten, dazu die Agenturen Winterbach mit Waldkirch, Rechbergreuthen und Eichenhofen einbezogen.



Text und Bilder: Buch „Historisches Burgau“, Hrsg. Historischer Verein Burgau Stadt und Land e.V., Burgau 2014
Bilder: Archiv Hist. Verein Burgau Stadt und Land e.V., Archiv J. Pommer, Burgau                                   
                                    Irmgard Gruber-Egle
                                    Historischer Verein
                                    Burgau Stadt und Land e. V.
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